Immobilienmakler Interview Dr. Raimund Neuwirther

Er ist seit über 45 Jahren Immobilienmakler, jahrzehntelang Innungsmeister und Fachgruppenobmann, und auch heute noch Ausschussmitglied und Ombudsmann: der Immobilienmakler in der WK Kärnten unddas “Urgestein” in der Kärntner Immobilienbranche.

Was sind Ihre Zielsetzungen für die Kärntner Immobilienmakler?

Die positive Weiterentwicklung der Branche. Vor 40 Jahren habe ich mir beim Einchecken in ein Hotel überlegt, ob ich bei der Berufsangabe Makler (damals noch Realitätenvermittler) angeben sollte oder nicht. Heute kann jeder Makler mit Stolz diese Berufsangabe wählen. Makler ist heute ein angesehener und anspruchsvoller Beruf.

Wer Immobilien suchen und finden möchte, hat heute die Qual der Wahl. Warum ist es „dennoch“ besser, zum Immobilienmakler zu gehen?

Vor Jahrzehnten hat man von einem Makler auch nicht viel mehr über ein Objekt erfahren, als die Adresse und ein paar vielleicht beschönigte Informationen – so wie heute in den Immobilienplattformen. Die Fachausbildung war kümmerlich. Heute ist der Kunde zu Recht anspruchsvoller. Die Immobilienplattformen seien der Tod der Makler, meinen manche. Richtig ist, dass die Wichtigkeit des Maklers in der Zukunft dadurch erst richtig zur Geltung kommt. Das Maklergesetz aus 1996 verpflichtet zur Information über alle wesentlichen Umstände, die zur Beurteilung des Kaufes/Verkaufes einer Liegenschaft notwendig sind. Diese Informationen fehlen beim Privatkauf über Immobilienplattformen. Der/die KäuferIn ist bei der vielleicht größten Geldausgabe des Lebens auf sich allein gestellt. Er/sie braucht einen Fachmann. Der Oberste Gerichtshof geht mit Maklern sehr streng um. Eine Vermittlung z.B. ohne Einblick ins Grundbuch bringt teilweisen Provisionsverlust! Auch der Verkäufer träumt sehr oft von einem unrealistischen Verkaufspreis, der häufig zu falschen Entscheidungen führt. Ein Makler ist verpflichtet, darauf hinzuweisen, und will nicht schnell ein Geschäft machen, auch wenn hin und wieder jemand einen Traumpreis zahlt.

Also ist man mit einem Immobilienmakler immer auf der sicheren Seite?

Jedem Menschen kann trotz Sorgfalt ein Fehler passieren. Der gewerbliche Makler muss eine verpflichtende Vermögensschadenshaftpflichtversicherung abgeschlossen haben. Der Kunde ist also für Beratungsfehler eines Maklers abgesichert, auch wenn der Makler finanziell den Schaden nicht bezahlen könnte. Erkundigen Sie sich also bei der Wirtschaftskammer oder im Internet, ob der Makler wirklich ein gewerblicher Makler ist und nicht irgendein Geschäftemacher, Schwarzmakler, „nur” Versicherungsmakler, Finanzdienstleister etc.

Welche langfristigen Anlageformen empfehlen Sie?

Wie Sie schon richtig fragen – langfristig – Immobilien sind nicht oder sehr selten das schnelle Geschäft. Immobilien sind eine sichere Wertanlage, inflationssicher (in Ländern mit hoher Geldentwertung schützen sich viele davor mit Kauf/Verkauf von Immobilien). Wieder ein Beispiel: “Vorsorgewohnung” für die Zeit der Pension. Man denkt nur an Mieteinnahmen als “Zusatzpension”. Man kann eine solche auch dadurch lukrieren, dass man die Wohnung verkauft und einen größeren Geldbetrag für einen schönen Lebensabend zur Verfügung hat. Oder man verkauft zu einem geringeren Preis, behält sich aber das lebenslängliche, unentgeltliche Wohnrecht zurück. Betriebskosten und Reparaturen hat auch der Käufer zu bezahlen, so dass von der Pension kein Wohnaufwand bezahlt werden muss. Auch eine Art “Zusatzpension”. Vererben ist nicht das Ziel, sich einen schönen Lebensabend leisten zu können. Auch bei der Wahl der Immobilienanlagen ist ein versierter Makler gefragt: Was will der Kunde? Spekulieren auf Preissteigerungen? Sichere Anlage mit kleiner Rendite oder höhere Rendite in Problemgegenden mit Gefahr des längeren Leerstandes etc.?

Im Vergleich zu anderen Gebieten kann man in Kärnten das eine oder andere gute Schnäppchen machen – noch dazu im schönsten Bundesland Österreich. Was spricht noch dafür, in Kärnten in Immobilien zu investieren?

Im Umkreis von 50 km vom Lindwurm gibt es (in den Tälern) noch Baugrundpreise von € 20.-/m². Wenn ich das einem Wiener Kollegen erzähle, fragt mich jeder, wie viele Grundstücke ich pro Tag verkaufe. Und warum werden diese so wenig verkauft? Entsiedelung der Täler, Urbanisierung – Klagenfurt, Villach. Wenig Arbeitsplätze in manchen Gegenden, mangelnde wirtschaftlich Zukunftsaussichten und dadurch Abwanderung, insbesondere gut ausgebildeter Kräfte nach Wien und ins Ausland. In Wien wohnen ungefähr gleich viele, oder sogar mehr Kärntner als in Klagenfurt.  Wirtschaftlich hat uns teilweise das Burgenland überholt. Trotz dieser Umstände kann man auch in Kärnten in Immobilien investieren. Nicht in Gegenden mit starker Abwanderung, wohl in Zuzugsgemeinden, mit wirtschaftlichen Zukunftsaussichten, in den “Speckgürteln” von Klagenfurt und Villach, Wohnungen in Universitäts(FH)städten.

Abschließend: Was wünschen Sie sich für Kärnten im Allgemeinen und für Ihren Berufsstand im Speziellen?

Ich bin Kärntner mit Leib und Seele. Ich wünsche mir für Kärnten eine Image-Verbesserung, dass wir nicht nur als Urlaubsland beliebt sind, dass wir bessere Wirtschaftszahlen schreiben. Nur ein höheres Einkommen ermöglicht besseres Wohnen in Eigenheimen und Eigentumswohnungen und damit auch mehr Arbeit für Makler, Verwalter und Bauträger.

Durch die Förderung von nur “Gemeinnützigen Sozialwohnungen”, vielleicht sogar nur parteinah, wird zu wenig Privatkapital für den Wohnungsbau geschaffen, um genug Wohnungen zu schaffen.

Für meinen Berufsstand wünsche ich, dass die Bevölkerung merkt, dass nur, wer zum Makler geht, bei Immobiliengeschäften sicher ist und die Maklerprovision eine günstige Versicherungsprämie beim Immobilienkauf ist;

dass die Kollegenschaft weiterhin aktiv die fachspezifischen Bildungsangebote der Wirtschaftskammer für die beste Betreuung unserer Kunden nützt und so erheblich zur Steigerung unseres Ansehens beiträgt. Genügte vor 40 Jahre für Weiterbildungs-veranstaltungen ein kleiner Sitzungssaal, so finden derzeit viele Fachvorträge im Großen Festsaal statt;

und nicht zuletzt: dass die Reputation der Branche weiter nach oben geht.

 

Kontakt:
Komm.Rat Mag. Dr. Raimund Neuwirther
Immobilientreuhänder
gerichtl. beeideter und zertifizierter Sachverständiger für das Immobilienwesen
Seminare für die Immobilienwirtschaft
0463-320000 oder 0664-1601355
raimund@neuwirther.com

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